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Hintergrundartikel
Welche Vorteile bietet eine
länderübergreifende Europa-Logistik?
April 2010 - Die Europäische Union besteht derzeit aus 27 Mitgliedsstaaten mit 500 Mio. Einwohnern. Ein riesiger Markt, der nicht nur erhebliche Absatzpotenziale bietet, sondern auch die Chance, durch eine grenzüberschreitend ausgerichtete Logistik erhebliche Kosten- und Qualitätspotenziale zu erschließen.

Betrachtet man sich die Lieferkette vieler weltweit tätiger Unternehmen von den Lieferanten bis zu den Kunden, so ist die Beschaffungslogistik heute bereits meist international ausgerichtet. Im Zuge des Global Sourcing werden oft Lieferanten für die europäische, teilweise weltweite Versorgung eines Unternehmens mit Rohstoffen oder Handelswaren eingesetzt. Ebenso bestehen diverse Werksstandorte, die Fertigwaren für ganze Kontinente produzieren.

Die Distributionslogistik ist hingegen vielfach noch national aufgestellt. In jedem Land befindet sich ein Fertigwarenlager, aus dem die nationale Kundschaft
bedient wird. Welche Vorteile würden sich nun ergeben, wenn ein Unternehmen seine nationale Distributionslogistik durch eine länderübergreifende Logistik ablöst?

Erhebliche Kostenvorteile

Durch die Zusammenlegung nationaler Lager in wenige internationale Lager sinken üblicherweise die
Stückkosten im Lager-Handling, weil durch die größeren Durchsatzmengen eine höhere Effizienz im Lager entsteht. Zudem wird in der Regel weniger Lagerfläche benötigt und weniger Kapital gebunden. Die Höhe dieser Einsparung hängt dabei maßgeblich davon ab, wie hoch die Übereinstimmung der national gelagerten Bestände ist. Länderübergreifende Lagerstandorte können außerdem in Ländern mit geringen Lohnkosten angesiedelt werden, sofern dies die Serviceanforderungen der Kunden zulassen. Diese Standortverlagerungen sind oft mit gravierenden Kostenvorteilen verbunden.

Die Auswahl der idealen Lagerstandorte ist hoch komplex und nur mittels computergestützter Optimierungsverfahren durchführbar. Dabei müssen neben regionenspezifischen Lager-, Personal- und Transportkosten  auch verlässliche Informationen über den von Kunden effektiv gewünschten Lieferservice in die Optimierung eingehen. Pauschale Aussagen über einen generell einzuhaltenden 24-Stunden-Service reduzieren die Optimierungsmöglichkeiten ganz erheblich.

Den Kosteneinsparungen im Lager stehen in der Regel längere Entfernungen in der Auslieferung zum Kunden und damit verbundene höhere Transportkosten gegenüber. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass trotz dieser Mehrkosten Einsparungspotenziale in den gesamten Logistikkosten der Lieferkette von 15 - 20% keine Ausnahme sind.

Auch qualitative Vorteile

Es sind aber nicht nur Kostenvorteile, die für eine Europa-Logistik sprechen. Weil Absatzschwankungen an wenigen Lagerstandorten einfacher auszugleichen sind als an vielen Standorten, ist die Gefahr von Fehlbeständen in Europa-Lagern deutlich geringer. Auch ist das in einem Europa-Lager vorgehaltene Sortiment breiter als in einem nationalen Lager. Somit ist die in einem Land angebotene Produktvielfalt größer, womit ein positiver vertrieblicher Effekt erreicht wird.

Schließlich ergeben sich auch Vorteile bei den Transporten zur Lagerversorgung.
Aufgrund der erhöhten Zulaufmengen entstehen bei internationalen Lagern mehr  Komplettladungen und auch die Belieferungsfrequenz kann erhöht werden. Dies senkt die Lagerbestände und steigert die Verfügbarkeit.

Widerstände und Bedenken überbrücken

Angesicht all dieser Vorteile, stellt sich die Frage, warum nicht mehr Unternehmen ihre Logistik bereits europäisch ausgerichtet haben.

Um die Kostenvorteile im Lager umfassend realisieren zu können, ist eine länderübergreifende Harmonisierung der nationalen Sortimente anzustreben. Dabei sind oft erhebliche vertriebliche Widerstände zu überwinden. Ebenso müssen die Landesgesellschaft davon überzeugt werden, dass ein entfernteres Europa-Lager keineswegs eine Verschlechterung im Lieferservice bedeuten muss, sondern sogar beschriebene qualitative Vorteile mit sich bringen kann.

Ein Europa-Lager setzt außerdem voraus, dass die beteiligten Landesgesellschaften untereinander Informationen austauschen können. Vielfach besteht jedoch eine heterogene IT-Landschaft, in der jedes Land sein eigenes IT-System nutzt, was die Kommunikation erheblich erschwert.

Aber auch externe Gründe können ein Hindernis für eine europäische Logistik sein. So bestehen je nach Branche nur wenige oder gar keine Logistikdienstleister, die über ein durchgängiges europäisches Netz verfügen.

Als Fazit lässt sich zusammenfassen, dass die strategische Entscheidung für eine länderübergreifende Europa-Logistik meist erhebliche Einsparpotenziale und qualitative Vorteile eröffnet
. Die Umsetzung setzt die volle Unterstützung der Unternehmensleitung voraus, um unternehmensinterne Widerstände und Bedenken zu überwinden.


 

 
 

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