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Hintergrundartikel
Wissen Sie, wie viel Sie an einem Auftrag verdienen?
Mai 2010 - Die Ertragslage vieler Unternehmen ist aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise weiterhin angespannt. Die Verantwortlichen für Logistik stehen daher unter enormem Druck, die Effizienz ihrer Lieferketten weiter zu erhöhen und die Kosten zu senken. Eine kurzfristig wirksame Maßnahme zur Steigerung der Profitabilität besteht darin, unwirtschaftliche Aufträge nicht mehr anzunehmen oder beispielsweise mit einem Mindermengenzuschlag zu versehen. Doch nur wenige Unternehmen wissen genau, wie hoch die Kosten eines Auftrags sind und wie viel sie tatsächlich an einem Auftrag verdienen.

Die Studie "Trends und Strategien in der Logistik" der Technischen Universität Berlin belegt: 40 Prozent aller Unternehmen in Deutschland kennen ihre Logistikkosten in großen Teilen nicht. Aber selbst Unternehmen, die ihre Logistikkosten quantifizieren können, haben meist keine Prozesskostenrechnung. Es liegen somit keine Informationen vor, welche Kosten beispielsweise der Wareneingang und die Einlagerung einer Palette in ein Lager oder die Auslieferung einer Stückgutsendung in eine bestimmte Region verursachen.

Aber gerade diese Prozesskosten sind zwingend erforderlich, um fundierte Aussagen treffen zu können, ob ein Auftrag profitabel ist oder nicht. Unternehmen, die sich mit der Ermittlung auftragsbezogener Kosten beschäftigen, berechnen d
ie Logistikkosten oft über sehr unspezifische Kostensätze. So gibt es beispielsweise jeweils einen Kostensatz Euro pro Tonne für die Lagerabwicklung und für die Auslieferung zum Kunden. Abhängig von dem effektiven Gewicht des Auftrags errechnen sich dann über diese Kostensätze die zugehörigen Logistikkosten.

Prozesskostensätze als Basis für effektive Auftragskosten

Nun können sich Aufträge über eine Tonne stark unterscheiden. Handelt es sich ausschließlich um Vollpaletten? Werden vorwiegend A-Artikel mit kurzer Lagerdauer im Blocklager oder C-Artikel mit langer Lagerdauer im Außenlager nachgefragt? Müssen bei der Auslieferung wenige oder viele Kilometer gefahren werden? Befindet sich der Kunde in einem Ballungsraum, wo weitere Kunden in unmittelbarer Nähe beliefert werden können, oder in der Peripherie, wo zum nächsten Kunden größere Entfernungen zurückzulegen sind? Immer handelt es sich um einen Auftrag von einer Tonne. J
e nach Antwort fallen die Logistikanforderungen und damit die Logistikkosten des Auftrags jedoch sehr unterschiedlich aus. In dem beschriebenen Fall mit jeweils einem Kostensatz für die Lager- und die Transportabwicklung ergeben sich jedoch immer dieselben und damit unrealistischen Logistikkosten.

Falls Logistikdienstleister eingesetzt werden, deren Leistungen über verursachungsgerechte Kostensätze abgerechnet werden, ist die Ermittlung der Logistikkosten je Auftrag relativ einfach. Aufwändiger ist der Fall insbesondere, wenn ein Unternehmen seine Logistik selbst betreibt. Hier müssen in der Regel erst noch relevante Logistikprozesse definiert, zugehörige Kosten abgegrenzt und Kostentreiber mit Leistungsmengen festgelegt werden. Die daraus berechneten Prozesskostensätze sind dann Grundlage zur Ermittlung auftragsspezifischer Logistikkosten.

Prozesskostenrechnung auch zur Kunden- und Sortimentsbewertung

Sobald eine Methode besteht, die effektiven Kosten eines Auftrags zu bestimmen, ist zugleich eine Möglichkeit geschaffen, zu jedem belieferten Kunden das mit ihm erwirtschaftete Ergebnis zu berechnen. Dazu müssen lediglich die Deckungsbeiträge aller ausgelieferten Aufträge eines Kunden zusammengefasst werden. Über Kunden, mit denen Verluste realisiert wurden, ist eine Entscheidung zu treffen, ob zur Verbesserung der Profitabilität eine Belieferung weiterhin angeboten oder etwa ein Zuschlag erhoben werden soll.

Ist die Prozesskostenrechnung sogar so detailliert, dass sich nicht nur die Kosten eines Auftrags, sondern sogar die Kosten einer Auftragsposition errechnen lassen, kann der Ergebnisbeitrag zu jedem Artikel ermittelt werden. Diese Informationen sind überaus hilfreich, wenn über eine Sortimentsbereinigung entschieden wird.

Eine Kostenrechnung, die nach logistischen Prozessen differenziert, schafft Transparenz, wo Kosten wirklich entstehen, und liefert darüber hinaus fundierte Entscheidungsgrundlagen, um die Profitabilität erheblich zu steigern.


 

 
 

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